Mit dem Pferdefuhrwerk zur Schule - Ilse von Plotho kehrt nach 70 Jahren nach Marienau zurück
Erinnerungen an die Schulzeit in Marienau
Fast 70 Jahre nach ihrem Abitur besuchte Ilse von Plotho im September 2026 gemeinsam mit ihrer Familie die Schule Marienau und tauchte dabei in eine Schulzeit ein, die kaum unterschiedlicher zu der heutiger Schülerinnen und Schüler sein könnte.
Am 5. September 2026 betrat Ilse von Plotho, frühere von Flotow, wieder den Campus in Marienau. Nicht allein, sondern umgeben von ihren Kindern und Enkelkindern, die an diesem Familientag zum ersten Mal den Ort kennenlernten, der ihre Großmutter geprägt hat. Gemeinsam informierten sie sich über das heutige Marienau, gingen über den Campus und blätterten in den Jahres-Chroniken aus Ilses Schulzeit. Vergilbte Seiten, bekannte Namen, vergessene Gesichter. Und plötzlich war die eigene Geschichte wieder ganz nah.
Der Schulweg - eine Herausforderung
Ilse wurde 1937 in Lüdersburg geboren. Nach dem Krieg zog sie im April 1947 nach Süschendorf, von wo aus sie und ihre Schwester Margot täglich zu Fuß zur Schule in Nahrendorf liefen, rund dreieinhalb Kilometer. Ein Jahr später, im April 1948, kam Ilse auf die Oberschule in Marienau. Als externe Schülerin, denn das Internat war damals wie heute auch für Schülerinnen und Schüler aus der Region offen. Doch der Schulweg nach Marienau war eine Herausforderung für sich.
„Da ich noch kein Fahrrad besaß, lief ich morgens um kurz nach halb sieben zu Fuß los Richtung Dahlenburg. Wenn ich Glück hatte, nahm mich ein Milchwagenfahrer mit." So beschreibt Ilse in ihren Memoiren den Beginn eines Schulweges, der heute kaum vorstellbar ist: Mitfahrt auf dem Milchwagen zwischen Kannen und Pferden, dann weiter im Dogcart einer Mitschülerin aus Buendorf und mittags denselben Weg zurück.
Später mit dem Einspänner zur Schule
Als ihre Schwester Margot ebenfalls nach Marienau kam, organisierten die beiden einen Einspänner, mit dem der Melker im Sommer die Milch von den Weiden holte. Morgens, noch bevor die Eltern aufgestanden waren, holten sich die Schwestern Brot und Marmelade aus der Küche, schmierten ihre Schulbrote und fuhren los. Oft mit Plättwäsche im Gepäck, die in Dahlenburg zum Bügeln abgegeben werden musste, oder mit Pflugscharen für den Schmied.
Pferde im Fahrradschupen untergestellt
Die Pferde standen anfangs im Fahrradschuppen der Schule, wo größte Vorsicht geboten war, damit die Hufe nicht auf die teuren Räder der Internatsschüler beschädigten. Später bekamen sie einen eigenen kleinen Schuppen hinter der Hofmauer. Zweimal täglich wurden die Pferde gefütter: morgens bei der Ankunft, mittags in der großen Pause.
Im Winter bedeutete der Weg Frostbeulen an Händen und Füßen. Im Sommer durfte abwechselnd eine von beiden hinten im Wagen in der Sonne liegen.
Abitur, dann Studium
Ilse legte 1957 ihr Abitur ab, studierte anschließend Volkswirtschaft in Göttingen und schloss 1962 ihr Examen als Betriebswirtin ab. Ein beeindruckender Lebensweg, der in Marienau seinen Anfang nahm.
Beim Familientag im September blätterten Ilse von Plotho und ihre Familie gemeinsam durch die Chroniken jener Jahre. Was sie darin fanden: die Namen von Mitschülerinnen und Mitschülern, Erinnerungen an Lehrer, Fotos eines Campus, der sich verändert hat und doch derselbe geblieben ist. Für die Enkelkinder war es ein Stück Familiengeschichte. Für Ilse war es eine kleine Heimkehr.