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Gerd Ruge
Gerd Ruge - Leseung im Literaturbüro Lüneburg

Gerd Ruge hat Geschichte geschrieben, zumindest was den Journalismus betrifft.

Wer erinnert sich nicht an den Mann mit dem ergrauten Bart und der Fellmütze vor dem Kreml in Moskau, der in den 20 Uhr Nachrichten im Ersten immer dann zugeschaltet wurde, wenn es Neues aus Russland zu berichten gab. Aber Gerd Ruge war in seinem langen Berufsleben nicht nur Auslandskorrespondent, der unzählige Male live aus Moskau, Peking oder Washington berichtete, der dabei war, als Adenauer zum ersten Mal Moskau besuchte oder Robert Kennedy ermordet wurde, der die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mitbegründete und Bücher schrieb. Gerd Ruge, Jahrgang 1928, ist auch Altmarienauer. Er kam 1938, ein Jahr nachdem das jüdische Schulgründerehepaar Bondy vor den Nazis fliehen musste und die Schule von Bernhard Knoop geleitet wurde, und blieb bis 1943. Auch nach seiner Zeit in Marienau wurde er an diesem Abend in der Lüneburger Musikschule, wo er sein neuestes Buch vorstellte, gefragt.


„Marienau hat mich sehr geprägt. Als ich 1938 nach Marienau kam, war ich neun Jahre alt. Die Reste der freien Schulgemeinschaft waren noch zu spüren. Knoop, der gerade mal ein Jahr Schulleiter war, war ein anständiger Mann, aber natürlich nicht zu vergleichen mit dem Schulgründer, er war kein Max Bondy! Aber die Lehrer und Lehrerinnen, die ja zum Teil noch aus der Bondy-Zeit da waren, haben Manches durchblicken lassen. Im Großen und Ganzen war Marienau damals eine Schule, wo noch ein menschliches Gespräch möglich war und wo man noch wusste, was moralisch ist und was nicht. Also, insofern hat Marienau mich schon geprägt, auch im Hinblick auf meinen Widerstandsgeist.“

Am 25. Februar 2014 stellte Gerd Ruge nun sein autobiographisches Buch „Unterwegs. Politische Erinnerungen“ (Hanser Verlag, 2013) vor. Dr. Stefanie Hobuß moderierte den ersten Abend der Lüneburger Literatur-Reihe „Ausgewählt“, der vom Literaturbüro veranstaltet wurde.