Sport auf Rädern – Rolli-Tag mit dem BG Klinikum

Hier wird gerollt. Mit oder ohne Behinderung. Drei ganz andere Sportstunden erlebte der 9. Jahrgang, denn wann hat man schon mal 24 Rollis in der Sporthalle? Ein Projekt, dass 2007 im Rahmen der Rollstuhlbasketball-EM entstanden ist. Das BG Klinikum Hamburg und sein Sportkooperationspartner, der Deutsche Rollstuhl-Sportverband, bieten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, durch eigene Erfahrung den Alltag von Rollstuhlfahrern kennen zu lernen.

Für unsere neunten Klassen dient dieser Vormittag der Vorbereitung auf ihren Sozialen Dienst, den Thomas Huhmann in Marienau betreut. Die Referenten Philip und Malte verstehen zu begeistern. Philip ist selbst behinderter Rollstuhlsportler. Als Leistungssportler kam er aus Ghana, verunglückte und fand sich querschnittsgelähmt im Rollstuhl wieder. Die Marienauer sind beeindruckt und fragen nach, wie sich Leben als Behinderter in unserer Leistungsgesellschaft anfühlt. Philip erzählt ruhig und offen.

Mit 24 Rollstühlen, Basketbällen und Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte machen beide den Rollstuhlsport für die Marienauer erlebbar. Nach einer kurzen Einführung über die verschiedensten Themen wie Unfall, Verletzung, Behinderung, Lähmung, radikale Lebensveränderung, Hoffnung und neuen Lebensmut beginnt die Praxis. Erst einmal muss das Gerät kennengelernt werden. Dazu gibt’s kurze Fahr-, Lenk- u. Bremsübungen. In unterschiedlichen Einheiten werden die ersten Voraussetzungen wie die Fahrtechniken im Rollstuhl, das Ball-Dribbling am Ort und in der Bewegung, die dazugehörigen Rollstuhlbasketball-Regeln, Übungsformen zum Passen und Fangen, vermittelt. Auf jede Praxiseinheit folgt immer ein kurzes Teammeeting, in dem sprechen die Marienauer über ihre gewonnenen Eindrücke und stellen Fragen. Höhepunkt des Trainings sind die Abschlussspiele in vier Teams, bei denen alle ihre gelernten Techniken und gewonnenen Fähigkeiten zeigen.

Malte erzählt noch ein wenig über die BG Baskets. Es gibt eine Rollstuhlbasketball-Bundesliga – das wissen die Marienauer, denn sie haben schon einmal beim HSV zugesehen. In jedem Team spielen Männer und Frauen zusammen, auch nicht behinderte Spieler gehören zur Mannschaft. Ein ausgeklügeltes Punktesystem sorgt für Gerechtigkeit zwischen den Mannschaften. Durch die Partnerschaft mit dem BG Klinikum Boberg hatte der HSV die Möglichkeit, eine Spitzenmannschaft aufzubauen. So wurde Rollstuhlbasketball zum paralympischen Stützpunkt in Hamburg. Das Klinikum hilft mit zahlreichen Sachleistungen. Die Spieler wohnen in Appartements des Klinikums, nehmen dort Sport- und Therapieeinrichtungen sowie sportärztliche Versorgung in Anspruch.

Am Ende war es ein Sportunterricht der besonderen Art, der allen unglaublich viel Spaß gemacht hat. Eine Fortsetzung von “Rollstuhlsport macht Schule” im nächsten Jahr wird von allen Beteiligten gewünscht!

Text: Anke-Maren Köster