Rückkehr aus dem NAU-Projekt

Am vergangenen Freitagabend fand das Essen der Wohnbereich in Marienau statt. Dieses Essen unterscheidet sich durch das festliche Ambiente und die Tatsache, dass die Wohnbereiche, nicht wie sonst die Tischgruppen, gemeinsam am Tisch sitzen. Die Internatsschülerinnen und -schüler werfen sich für diesen Anlass in Schale und tragen so zur besonderen Atmosphäre bei. Zu Gast war zudem der Trägerverein der Schule Marienau, der zweimal jährlich in Marienau tagt. Das Motto des Abends lautete „world wide – wide world“, denn unsere 11. Klässler waren aus dem NAU-Projekt zurückgekehrt und der gesamte 11. Jahrgang stand im Mittelpunkt des Abends.

„NAU“ ist der Spitzname, den die Marienauer Schüler ihrer Schule geben. Das NAU-Projekt der Ansatz der Schule Marienau, das mit der Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren gewonnene Schuljahr bestmöglich zu nutzen. Wichtig schien der Schule, nicht einfach nur mehr Unterricht auf den Plan zu setzen. Die Schule bietet ihren Schülern nun zweimal im Jahr die Möglichkeit, die gewohnten Bahnen aufzubrechen. In der Woche vor den Herbstferien finden Workshops statt, in denen die Schüler außerschulische Kompetenzen erlernen bzw. erweitern können. Im Herbst 2018 haben wir u.a. mit dem Niedersächsischen Fußballverband (NFV), dem DRK und einer Ernährungsberaterin zusammengearbeitet.

Nun, vor den Osterferien, waren die Schülerinnen und Schüler gefordert, sich einer selbstgewählten Herausforderung zu stellen. Etwas Neues wagen und gewohnte Pfade verlassen, das ist die Grundidee des Projekts. Dafür hatten die Schülerinnen und Schüler zwei Wochen lang Zeit und konnten nach Bedarf in die Ferien hinein verlängern. Einige taten dies, indem sie ein Praktikum in einem Bereich absolvierten, der neu für sie ist. Einige leisteten ihr Praktikum im Ausland, so dass sie neben der neuen Tätigkeit auch die fremdsprachlichen Herausforderungen meistern mussten. Ein Schüler hatte sich einen Farmstay-Aufenthalt auf einem Hof in Irland organisiert, eine andere Schülerin versuchte im französischen Schulalltag zurecht zu kommen – nicht so einfach, wenn man eigentlich Spanisch in der Schule lernt und nur wenige Urlaubssätze auf Französisch beherrscht.

Auch den asiatischen Raum hatten einige Schüler zum Ziel: Ein Schüler nutze die Gelegenheit zum Praktikum bei einem deutsch-chinesischen Architekturbüro, ein anderer begleitete eine Reisegruppe mit der Kamera durch China und wird in diesen Tagen den Videofilm schneiden. Den wird das Unternehmen zukünftig zur Präsentation ihrer Reise verwenden. Ein Schülerin wagte den Sprung nach Vietnam und hospitierte bei der Außenhandelskammer (AKH) auf einem Kongress in Hanoi und lernte im Anschluss das Leben in subtropischen Vietnam kennen.

Andere machten sich wortwörtlich auf den Weg: Sie wanderten in Zweiergruppen auf den Jakobswegen in Spanien, wo sie drei Wochenlang unterwegs waren und insgesamt zwischen 320-370km zu Fuß zurücklegten. Eine Gruppe von drei Jungs wanderte in Italien auf dem Franziskusweg. Neben der körperlichen Beanspruchung berichten alle, dass die Herausforderung auch darin bestand, sich völlig in den Dienst der Gruppe zu stellen, sich gegenseitig zu motivieren und Momente, in denen es schwierig wurde, gemeinsam zu meistern.

Das berichten auch diejenigen, die nicht auf Schusters Rappen unterwegs waren. Egal, ob Interrail, eintauchen in den politischen Alltag in Berlin oder die ehrenamtliche Mitarbeit in sozialen Einrichtungen und Jugendherbergen: Es sei großartig gewesen, diesen Freiraum während der Schulzeit zu erhalten, allerdings gehe mit der freien Wahl der Gestaltung auch die Verantwortung für alles einher. Und wenn man, wie bei der Interrail-Tour geschehen, den Abreisetag in Paris verpasst, alles Nachfolgende aber bereits gebucht ist, ist man gefordert, eine Lösung zu finden. Den weitesten Weg haben zwei Schüler auf sich genommen, die ihre Tätigkeit in den Dienst der Organisation „world unite“ gestellt haben. Bei Projekten in Ecuador bzw. Tansania haben zwei Marienauer sich gemeinsam mit anderen Freiwilligen aus aller Welt um Umwelterziehung, den Aufbau einer Schule und den Tierschutz gekümmert.

Das NAU-Projekt hatte in diesem Schuljahr Premiere, derzeit laufen die Vorbereitungen für das kommende Jahr. Wie immer, wenn man etwas Neues wagt, ist es auch für uns als Schule eine Herausforderung, denn es gibt keine Erfahrungswerte, auf die man zurückgreifen kann. Wir sind stolz auf die Schüler der 11. Klassen, dass sie diese Chance genutzt haben, um sich hinaus zu wagen und offen waren für die Begegnungen in der Welt. Lesen Sie hier auch den Bericht aus der Landeszeitung!