!Nie wieder! – Erinnerungstag im deutschen Fußball

Heute ist der 15. Erinnerungstag im deutschen Fußball. Bundesweit beteiligen sich Fußballvereine an der Aktion anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau 1945. In Zeiten, die politisch bewegt sind, aber auch im Kleinen, in unserem persönlichen Alltag: Immer wieder werden wir mit Situationen konfrontiert, die uns fordern. Klar sein in unseren Positionen, eine Haltung entwickeln, uns einbringen oder sich nicht involvieren lassen.

Das ist auch das Ziel, welches das Nie wieder!-Bündnis verfolgt. Das Bündnis hat es sich zur Aufgabe gemacht, an die Schrecken des Nationalsozialismus zu erinnern und die Menschen geistig wach zu halten, damit sich dieses Kapitel der Geschichte nicht wiederholt. Der Sport, insbesondere der Fußball, spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Sport finden viele Menschen zusammen, sie engagieren sich und machen etwas gemeinsam – im besten Fall Positives. Aber gerade der Fußball spielt auch allein wegen seiner Anziehungskraft eine besondere Rolle auf gesellschaftlicher Ebene. Selten möchte er politisch sein und ist es doch, daher kann und soll er auch bei Themen des Rassismus, der Diskriminierung und der Erinnerungskultur Farbe bekennen.

Einige Marienauer haben sich auf den Weg zur 2. Frankfurter Versammlung im deutschen Fußball vom 11.-13. Januar 2019 gemacht: Markus Panning, Alja Koch sowie Henrike und Leoni aus Klasse 11. Sie waren Teil einer Tagung mit über 250 Teilnehmern, darunter Zeitzeugen, DFB-Funktionäre, Fanbeauftragte etc. Unter den Beteiligten waren Eberhard Schulz, Sprecher der „!Nie wieder“ – Initiative, Werner Hansch, Daniel Cohn-Bendit, Cacau als DFB-Integrationsbeauftragter, Alfi Goldenberg, Vizepräsident von Makkabi Deutschland) u.v.m. Als Gäste waren viele Zeitzeugen geladen, die in sehr persönlicher Weise aus ihrer Biographie berichteten. Was allen gemein ist, ist das ehrenamtliche Engagement für ein friedliches Miteinander inner- und außerhalb des Sport ohne Rassismus und Antisemitismus.

Wie kam es zu der Einladung zum Erinnerungstag?
Markus Panning: Begonnen hat der Kontakt zum Aktionsbündnis „!Nie Wieder“ im Jahr 2015 bei der Vorbereitung für eine Projektwoche in Marienau. In den folgenden Jahren haben wir uns immer wieder mit den Themen Rassismus und Homophobie bzw. Toleranz und Respekt im Rahmen der Projektwoche oder durch Wanderausstellungen beschäftigt. Besonders der Kontakt zu Eberhard Schulz, dem Sprecher der Initiative „!Nie Wieder“, öffnete mir dabei viele Türen, u.a. auch die Tür zur Tagung in Frankfurt.

Wie sahen Euer Aufenthalt/der Tagesablauf aus?
Markus Panning: Dort gab es ein straffes Programm mit Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Workshops. Viele TeilnehmerInnen waren dabei in der Sportschule untergebracht, so dass auch am späten Abend in geselligen Runden noch interessante Kontakte geknüpft und beeindruckende Gespräche geführt werden konnten.

Wie sahen Deine Erwartungen aus?
Leoni: Ich hatte kaum konkrete Erwartungen, habe mich kurz vor der Abfahrt noch gefragt, ob wir da wirklich was tun können, ob wir davon persönlich etwas mitnehmen könnten. Diese Befürchtungen wurden einfach weggewischt, sobald wir auf der Veranstaltung waren!
Ich war und bin sehr beeindruckt von den Menschen, die auf der Versammlung waren. Sie bewegen viel in Fanprojekten, engagieren sich. Besonders waren für mich die Zeitzeugen, deren Erzählungen viele Stunden Geschichtsunterricht ersetzen könnten. Davon könnten alle profitieren.

Was konntest Du vor Ort machen? Konntest Du Dich aktiv einbringen?
Leoni: Teilnehmen an Diskussionen, viele Infos aufnehmen in den Vorträgen. Kontakte knüpfen und ins Gespräch kommen mit anderen Teilnehmern, auch in informellen Runden wie z.B. beim Essen. Da ich mich bei einer der großen Podiumsdiskussion beteiligt habe, hatten uns plötzlich alle auf dem Schirm. Alle waren sehr offen, haben uns oft angesprochen. Wir wurden ernst genommen und waren einfach Teil des Ganzen.


Gibt es etwas, dass Dich in besonderem Maße beeindruckt hat?
Leoni: Die Offenheit der Zeitzeugen war unglaublich! Was alle wissen sollten, ist, dass diese Frankfurter Versammlung nicht nur mit Fußball zu tun hat. Es hat mit der persönlichen Geschichte eines jeden zu tun. Da wir alle in Deutschland leben, ist es Teil unserer Geschichte. Und über das Erinnern hinaus müssen wir aktiv sein oder werden, denn so leben, wie es die Zeitzeugen als unmittelbar Betroffene geschildert haben, möchte keiner.

Welche Begegnung hat Dich besonders bewegt?
Henrike: Ich dachte, dass da v.a. Erwachsene sind, die stark fußballbezogen darüber reden würden, wie man rassistische Tendenzen vermeiden und Integration stärken könnte. Aber es war ganz anders! Wir konnten uns ganz persönlich einbringen. Emotional und sehr berührend war die Begegnung mit den Zeitzeugen, z.B. mit Eva Szepesi. Man weiß zwar, dass diese Taten im Nationalsozialismus geschehen sind und kennt auch die Zahlen, aber es verändert sich, wenn da ein Mensch vor Dir sitzt, der das alles erlebt hat und aus seiner Perspektive berichtet, was das System des Nationalsozialismus ganz konkret in seinem Leben in negativer Weise verändert hat. Lebenswege wurden umgeschrieben.

Was möchtet Ihr allen sagen, die nicht dabei waren?
Henrike und Leoni: Alle sollen wissen, dass es das Bündnis !Nie wieder gibt. Am liebsten möchte ich einen Zeitzeugen einladen und eine Fußballaktion organisieren, damit wir aktiv für und mit Marienau etwas tun können, einen Beitrag leisten können.
Markus Panning: Mir werden immer die Überlebenden des Holocaust in Erinnerung bleiben und ich glaube, dass jede und jeder in Marienau ebenfalls tief beeindruckt von diesen Menschen und ihren Erlebnissen wäre. Und gleichzeitig machen diejenigen Mut, die auf der Tagung von ihren Aktionen und ihrem persönlichen Einsatz für Toleranz und Respekt berichtet haben. Denn erinnern allein reicht nicht!

(SPT)