Macht Schach schlau?

Macht Schach schlau?
Um dieser Frage – in differenzierter Weise – nachzugehen, legte Henri Oertel seine Facharbeit in Klasse 11 als empirische Studie an. Untersuchungen (z.B. an einer Grundschule in Trier-Olewig) legen nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Erlernen des Schach-Spiels und der Steigerung von Konzentration, Intelligenz, Leistungsmotivation und Sozialkompetenz gibt. Verschiedene andere Schulen haben inzwischen Schach in den Lehrplan aufgenommen, und diesem Beispiel folgte die fünfte Klasse der Schule Marienau mit ihrer Klassenlehrerin Konstanze May. Das Material für den Schachunterricht stellten Herr Quaisser und Herr Rädler von der Deutschen Schulschachstiftung, wofür wir uns herzlich bedanken. Vom 20.12.2016 bis zum 21.02.2017 erhielten die acht Schülerinnen und Schüler Schachunterricht, den Henri gemeinsam mit Herrn Panning durchführte. Markus Panning, Schulpsychologe an der Schule Marienau, begleitete das Projekt testdiagnostisch mit Konzentrationsmessungen.

In diesem Testverfahren werden die Reaktionszeit sowie Auslassungs- und Zusatzfehler gemessen. Auch wenn die Stichprobe von acht Schülern in der Tat klein ist, so zeigen sich dennoch Tendenzen in den Messwerten, die sich so zusammenfassen lassen: Nach 17 erfolgten Schachstunden zeigt sich bei fast allen Schülerinnen und Schülern der Klasse 5 eine Entwicklung zu einem ordentlicheren und weniger impulsiven Arbeiten. Es ist zu vermuten, dass dadurch, dass man gefordert ist, über jeden Zug nachzudenken und impulsive Reize zu unterdrücken, genau die oben genannte Arbeitsweise gefördert wird.

In ähnlichen Studien in Grundschulen ist zu erkennen, dass der Effekt des Schachunterrichts größer ist, je jünger die Schülerinnen und Schüler sind. Bei Erst- und Zweitklässlern zeigt sich v.a. Steigerung der Konzentration und eine Erhöhung der gemessenen Intelligenzwerte. Bei Dritt- und Viertklässlern wurde verstärkt eine Steigerung der Leistungsmotivation und der Sozialkompetenz beobachtet.

Für Henri Oertel war das Schachprojekt ein spannender Einstieg in das Feld der empirischen Forschung und es mündete in einer sehr gelungenen Seminarfacharbeit. Für die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 war es neues Terrain, denn ein Großteil von ihnen hatte zuvor noch nie Schach gespielt. Die Schachstunden wurden bis zu den Osterferien weitergeführt, um das Erlernte zu vertiefen und weiterhin anzuwenden. So konnte in der letzten Schachstunde vor den Ferien sechs von acht Schülerinnen und Schülern das „Bauerndiplom“ der Deutschen Schulschachstiftung verliehen werden. Herzlichen Glückwunsch!