Lasst uns „Landwirt“ sagen! – Unterrichtsbesuch von Jens Uffmann

Gründlich aufgeräumt mit dem althergebrachten Bild des Bauern hat der Diplom-Landwirt Jens Uffmann bei seinem Besuch im Erdkunde Leistungskurs. Gummistiefel und Schweinchen unter dem Arm, das war einmal. Schon zuvor warb sein Sohn Joost, Kursteilnehmer, für die angemessenere Bezeichnung mit dem Appell „Lasst uns doch einfach „Landwirt“ sagen!“ Die im Unterricht theoretisch behandelten Themen Strukturwandel in der Landwirtschaft, die Perspektiven des ländlichen Raumes und die Veränderungen in der neuen EU-Agrarwirtschaft sollten im Gespräch vertieft und mit Blick auf ihre Bedeutung in der Realität ausgelotet werden.

Überraschend vielfältig stellt sich die berufliche Praxis von Jens Uffmann dar. Dabei sei sein Betrieb „DahLand“ auf Ackerbau spezialisiert, das Fahren mit dem Schlepper sei nur ein Bruchteil der Tätigkeiten. Der Betrieb bildet aus, Jens Uffmann selbst ist auch Mitglied der Prüfungskommission für die Ausbildung. Derzeit arbeite er konzeptionell an der Aufnahme der Kartoffel als Anbaufrucht. Überrascht nehmen die Schülerinnen und Schüler zur Kenntnis, dass Kartoffel nicht gleich Kartoffel ist, denn Pommes, Püree oder Speisekartoffel verlangen verschiedene Qualitäten und Sorten. Verträge mit Saatzuchtlieferanten müssten ebenso geschlossen werden wie die mit späteren Abnehmern. Bindungszeiten müssten überdacht werden, die Qualität des eigenen Bodens und die Wasserverfügbarkeit ebenso. Letztgenannte sei ein Nadelöhr für diese Region.

Ein Grund mehr für Uffmann, sich auch im Verband der Wasserwirtschaft zu engagieren. Derzeit stünden Landwirten 70l/ha im Jahr für die Bewässerung zu. Diese sei weniger wegen des Wassers als wegen des hohen Energie- und Arbeitsaufwandes teuer, nehmen die Schüler staunend zu Kenntnis. Natürlich wird auch die Gretchenfrage gestellt: „Haben Sie je über die Umstellung auf „Bio“ nachgedacht?“ „Natürlich“, lächelt Uffmann, „die Bodenbeschaffenheit dieser Region verspricht leider keine ausreichende wirtschaftliche Perspektive“. Uffmann betont, dass kein Landwirt je mehr Dünge- und Spritzmittel einsetze als nötig, da diese ja auch Kosten verursachten.

Durch seine Beteiligungen im Bereich alternative Energien in Windkraft und der Biogasanlage ist er auch auf diesem Gebiet Fachmann. Der Flecken Dahlenburg, so erfahren die Schüler, erziele eine Deckung von 130%! Pünktlich zum Stundenende muss Jens Uffmann los. Eine Delegation aus Russland erwartet ihn und möchte etwas über smart-farming erfahren. Die Digitalisierung habe die Landwirtschaft längst erreicht und verändere sie erneut. Sein Appell am Ende: Schaut genau hin, informiert euch differenziert und vor allem: Kauft regional! (MK)