Obligo-Abend im Zeichen von ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘
Als Mitglied im bundesweiten Netzwerk ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ verstehen wir Demokratie-Bildung und Antirassismus-Arbeit als dauerhaften Auftrag.
Wie konkret und persönlich dieses Engagement sein kann, zeigte der Obligo-Abend am 25. Februar 2026. Alle internen Schülerinnen und Schüler der Klassen 10 bis 13 nahmen an der Veranstaltung teil.
Bereits im Vorfeld hatten sich die Jugendlichen mit dem Film „Der zweite Anschlag“ auseinandergesetzt, der die Perspektive der Betroffenen rassistischer Gewalt in den Mittelpunkt stellt. Am Abend selbst war Ibrahim Arslan, Überlebender des Brandanschlags von Mölln 1992, in Marienau zu Gast.
Bei dem rechtsextremen Attentat wurden drei Menschen aus seiner Familie ermordet, weitere schwer verletzt. In bewegenden Worten schilderte Arslan die Nacht des Anschlags und die unmittelbaren Folgen für seine Familie. Zugleich weitete er den Blick auf andere rassistische Gewalttaten in Deutschland und kritisierte, dass in der öffentlichen Debatte häufig die Täter im Fokus stünden, während die Perspektive der Opfer zu wenig Beachtung finde.
Gemeinsam mit Altschülerin Yasmina Alaoui, Patin des Netzwerks, diskutierte er mit den Jugendlichen über persönliche Erfahrungen mit Ausgrenzung. Dabei wurde deutlich, wie wichtig Sensibilität für Sprache und Verhalten ist. Arslan ermutigte die Jugendlichen, rassistische Äußerungen nicht unwidersprochen zu lassen und Betroffenen solidarisch beizustehen.
Ein weiterer Schwerpunkt war der gesellschaftliche Hintergrund: Die sogenannten „Gastarbeiter“ seien einst als Arbeitskräfte nach Deutschland geholt worden und hätten oft unter härtesten Bedingungen gearbeitet. Viele ihrer Kinder hätten früh Verantwortung übernommen und als Übersetzer für ihre Eltern fungiert. Diese Perspektive eröffnete einen wichtigen historischen Kontext für aktuelle Debatten.
Besonders bewegend war Arslans Bericht über mehr als 200 Solidaritätsbekundungen aus der Bevölkerung, die seine Familie nie erreichten. Erst Jahrzehnte später wurden diese Briefe öffentlich. Dieses Thema greift der Film „Die Möllner Briefe“ auf, der mit dem Publikumspreis der Berlinale ausgezeichnet wurde.
Der Obligo-Abend machte deutlich, dass gelebte Courage dort beginnt, wo Wegsehen keine Option ist.